Grüße von unserer Tina

Seit fast einem Jahr wartete unsere TINA im Tierheim Hilden auf neue Besitzer. Doch die circa 10 Jahre alte Hündin gab die Hoffnung nicht auf. Im Dezember 2011 fand auch sie endlich „ihre Familie“. Diese tierlieben Menschen kamen ins Tierheim und erkundigten sich gleich nach dem bedürftigsten Hund, egal wie alt oder ob dieser krank ist. So fand Tina trotz ihrer Krankheit ein schönes Zuhause. Hier erzählt sie ihre (gekürzte) Geschichte, da diese für unser Tierheimmagazin, welches im Juli 2012 erstmals erscheint, gedacht war. Nun sollte der Artikel aber nochmals gekürzt werden und das brachte ich nicht fertig. Tina fand es im Übrigen eine Frechheit, dass sie ihre Geschichte mit nur 800 Worten zusammenfassen sollte! Daher wünschen wir nun viel Spaß beim Lesen auf unserer HP :)

Herzliche Grüße

Manja Bretschneider

Vorwort: Hallo liebes Tierheim und liebe Tierfreunde, ich bin TINA und ich sage euch, wenn ihr euch etwas ganz fest, so richtig von Herzen wünscht, geht es in Erfüllung. So war es jedenfalls bei mir.

Ein eigentlich alltäglicher Nachmittag im Tierheim: An einen Nachmittag kam mein Hundepfleger Thomas mit zwei Besuchern vorbei. Naja, dachte ich, wie so viele.  Und dann sah ich SIE und wusste, das ist mein Frauchen. Ich habe also sofort bellend gerufen „Hallo ich bin TINA, nimm mich mit“. Und ich hatte den Eindruck, mein Frauchen hat sich unsterblich in mich verliebt (das zeigt ihren guten Geschmack). Thomas (der denkt, er hat das Sagen über uns) meinte, wir sollen eine Gassirunde zusammen gehen. Stimmt, wer weiß, wie sich die Leute beim Spazieren gehen anstellen. Aber ich war sehr zufrieden.

Abschied und Neubeginn: Zurück im Tierheim wurde etwas beredet und alle haben sich gefreut. Nun, dachte ich, freu dich mal mit. Komisch war es schon, dass sich alle im Tierheim von mir verabschiedet haben. Es wurde ein Vertrag unterschrieben, in dem festgelegt wurde, dass ich ab sofort die Nummer EINS bin und sich bitte alle immer nach mir zu richten haben. Eigentlich bin ich niemand der sofort mit den Erstbesten mitgeht, aber ich hatte ein gutes Gefühl und dachte mir, ich habe sowieso nichts Besseres vor, geh mal mit. Die Autofahrt gefiel mir gut. Ich saß hinten mit meinen Frauchen Elke. Sie hat mich gestreichelt und ganz lieb mit mir geredet. Als wir ankamen bin ich, wie jede Frau, erstmal in die Küche marschiert. Ach, da saßen noch zwei ältere Leute und haben mich total freundlich begrüßt. Da sie gerade beim Abendbrot essen waren dachte ich, setz dich doch dazu und tu so, als wenn du schon ewig zur Familie gehörst. Und richtig, ich bekam sofort eine Scheibe gekochten Schinken. Klasse, dachte ich. Also weiter. Dann bin ich ins Wohnzimmergelaufen, habe ein dickes Hundebett gesehen und ein Sofa! Ich bin ja wohl erzogen und auf das Hundebett gegangen. Aber als ich meinen „Tinablick“ aufsetzte, wurde Herrchen schwach. Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Alle haben mich betüddelt. Irgendwann bin ich eingeschlafen, allerdings nicht lange – ich wusste, es muss einen Haken geben.

Der 2. Tag: Richtig, bin ich doch von meinem Frauchen um 4 Uhr morgens geweckt worden und sollte Gassi gehen. Hallo? Sogar bei der Bundeswehr darf man länger schlafen. Ich habe mich erstmal „taub“ gestellt, aber mein Frauchen ist sehr hartnäckig. Da ich dann sowieso nicht mehr schlafen konnte, stand ich eben auf. Die Gassierunde war zwar nett, aber es war dunkel und kalt. Ich war wirklich sauer und dachte, wenn ich wieder zurück bin, packe ich mein Köfferchen und fahre wieder nach Hilden. Tja, was soll ich sagen, ich war anschließend zu müde um zu packen und habe mich hingelegt. Da alle so nett waren dachte ich, bleib wenigstens heute noch. Doch stellt euch vor: Vormittags wollte man schon wieder mit mir Gassi gehen. Also ganz ehrlich, man kann auch alles übertreiben. Weil ich nicht wollte, ließ man mich in den Garten. Das hat mir so richtig gut gefallen. Hier kann man einiges ändern, dachte ich und machte mich gleich an die Arbeit

Meine Tätigkeiten: Ich nahm also die Gartenumgestaltung in Angriff. Nun glaubt bloß nicht, dass meine Arbeit gewürdigt wird.  Mein Herrchen schüttet die Löcher immer zu. Das heißt für mich, wieder neu buddeln. Jetzt hat er einen Maschendrahtzaun aufgestellt, festgehalten von Holzstöcken. Wie witzig, die reiße ich raus, oder beiße sie ab. Habe ich vielleicht zu viel Zeit? Außerdem bringe ich regelmäßig Äste aus dem Wald mit und zerkleinere die im Wohnzimmer für den Kamin. Ein Dankeschön? Fehlanzeige! Dann kam mein Frauchen mit einem Stofftier an. Prima, dachte ich mir, was macht man mit so einen Ding? Man kann es super zerfetzen und den Inhalt gleichmäßig im Wohnzimmer verteilen. Aber auch das war wieder nicht richtig…

Meine Ziele: Die ersten Tage sind so schnell verflogen… Doch sofort brachte ich den Leuten etwas bei, zum Beispiel möchte ich abends ein Betthupferl und viele Streicheleinheiten. Dann erst schlafe ich ein.

Rückblick: Eines ist mir aufgefallen: Im Tierheim gibt es eine ganz komische Menschenkrankheit. Wenn man bellt, tun die Leute so als ob sie taub sind und wollen einen nicht verstehen. Wenn man anfängt zu heulen und zu jammern, bringt dies dagegen den gewünschten Erfolg (das klappt auch im neuen Zuhause super).

Durchgesetzte Ziele: Nachmittags gibt es keinen Spaziergang, bevor ich nicht Auto gefahren bin. Auch lasse ich mich nicht überreden, zweimal in der Woche die gleiche Strecke zu gehen. Das sehe ich ja gar nicht ein. Ich bleibe einfach stehen, wie fest betoniert. Klappt super! Nachmittags treffe ich oft Kumpels, mit denen ich spielen darf. Mir ist aufgefallen, dass manche Leute, die wir unterwegs treffen, sagen: „die Arme“. Also ganz ehrlich, so hässlich ist mein Frauchen gar nicht. Ich tröste sie anschließend immer.

Unsensible Menschen: Nun muss ich euch noch etwas über schlechte Erziehung erzählen. Zu uns kommen jeden Tag Leute. Wenn es klingelt bin ich schneller an der Tür als meine Leute. Dafür springe ich sogar über die Sofalehne. Was ich aber nicht mag, sind Menschen die reinkommen und mich nicht als erstes begrüßen. Dann werde ich so richtig sauer und belle was das Zeug hält. Und dafür werde ich ausgeschimpft! Da könnte ich mich noch immer drüber aufregen. Eine komische Familie, oder? Zu Silvester musste ich sogar ein Hütchen tragen, ohne Worte. Doch dann denke ich mir, ich werde hier wirklich ohne Ende geliebt.

Meine Lieblingstätigkeit: Oh, ich habe noch ein Hobby und das ist SHOPPEN. Ward ihr schon mal im Gartencenter Dehner oder bei Fressnapf? Das ist ein wahres Geruchsparadies, aber sie sind etwas ungerecht. An der Kasse wird mein Frauchen immer gefragt, ob ich ein Leckerchen haben darf, dann bekomme ich eins. Warum fragt man mich nicht, ob mein Frauchen auch etwas Leckeres haben darf? Ich würde sicherlich nicht nein sagen. Ist bestimmt frustrierend für sie, oder? Übrigens, wenn ich mich schlecht benehme, wird mir damit gedroht, nicht einkaufen zu fahren. Keine Angst, ich habe mich schon im Tierheim beschwert. Jetzt soll ein neuer Vertrag aufgesetzt werden, und zwar zu meinen Bedingungen! So eine wie mich muss man sich schon verdienen.

Der Tierarzt: Im Wartezimmer beim Tierarzt benahm ich mich vorbildlich. Jeder durfte mich streicheln. Mit einem sehr gutmütigen Hund wollte ich sogar spielen. Der wollte aber nicht, lag nur da. Also habe ich ihm auf den Kopf gehauen, weil ich dachte, vielleicht ist da der „AN“ – Schalter. Außer das er dumm geguckt hat, ist nichts passiert. Sogar die Katzenbesitzer haben gelacht und darauf bin ich stolz, denn meine Katze Zuhause ignoriert oder verprügelt mich…

Das Nachwort: An manchen Tagen denke ich, ich platze vor Glück und könnte die Welt umarmen. Da schlafe ich nicht, dann will ich nur toben, spielen, oder einfach das Leben genießen. Ich kugel mich auf der Wiese, belle und laufe. Meiner Familie bringe ich ganz viel Spaß ins Haus und vertreibe jede Langeweile. In danke euch von Herzen, weil ihr euch knapp ein Jahr so toll um mich gekümmert habt. Als erstes werde ich Frau Gelhard (die eifrige Gassigängerin) für das Bundesverdienstkreuz vorschlagen. Sie hat so ein großes Herz, schenkt soviel Liebe und geht bei Wind und Wetter mit uns spazieren. Überhaupt habt ihr alle mindestens den goldenen Hundeknochen verdient (das ist unter Insidern eine wirkliche Auszeichnung).

Ich werde euch nie vergessen!

Eure TINA Balzer