Haltung von Meerschweinchen

Ein Bericht unserer ehemaligen 1. Vorsitzenden, Stephanie Peitz:

Meerschweinchen – Klein, aber oho!

Die in Deutschland oft als Einsteiger-Tiere angebotenen Meerschweinchen gehören zu den Nagetieren und stammen ursprünglich aus Peru. In der wilden Form leben sie in Familienverbänden, mit meist einem Männchen, mehreren Weibchen sowie Jungtieren, in selbst gegrabenen oder von anderen Tieren zurückgelassenen Bauten zusammen. Man vermutet, dass diese kleinen Tiere von holländischen Kaufleuten als Spielzeug  für ihre Kinder über das Meer (über das Meer kommende Schweinchen) gebracht wurden, weil sie so niedlich quieken und sehr friedfertig sind.

Dies hat sich scheinbar bis heute in den Köpfen gehalten, – Grund genug Ihnen diese liebenswerte näher zu bringen.

Familientiere – aber nicht nur mit Menschen…

Meerschweinchen leben also gerne in Gruppen, weshalb sie nie alleine im Gehege sitzen sollten. Wir vermeiden das Wort Käfig bewusst, denn ein Käfig ist weder für Tier noch Mensch ein guter Ort. Das Gehege sollte groß sein und pro Tier eine Grundfläche von ca. 0,5 qm bieten. Dieses kann man nach Anleitung aus dem Internet selbst bauen oder im Fachhandel erwerben und den Lebensraum darin entsprechend einrichten. Die kleinen Tierchen sind bewegungsfreudig, springen sogar, und sind in der Lage geringe Höhen zu überwinden. Sie lieben es aber auch eine eigene Höhle zu haben, weshalb pro Tier ein Häuschen oder Unterstand angeboten wird. Viel Stroh und Heu zum Wühlen und Knabbern und auch Äste von unbehandelten Bäumen finden sie toll. Meerschweinchen kürzen dadurch ihre nachwachsenden Zähne, auf die sie angewiesen sind, um Nahrung zu zerkleinern. Fantasie bei der Gehege-Einrichtung ist also erlaubt und ein zwischenzeitlicher Umbau bietet den Tieren  Abwechslung.

Auch Freilauf auf dem Balkon oder im gesicherten Garten nehmen die Tiere dankbar an. Sehr kompetente Meerschweinchen-Kenner, halten sie komplett frei im Garten quartieren die Tiere nur für den Winter im beheizten Gartenhaus ein. Ein absoluter Meerschweinchen-Traum!

Heu ist wichtig, aber nicht alles!

Meeries lieben Abwechslung beim Futter. Neben Heu, Stroh und Ästen mögen sie gerne frische Wiesenkräuter, wie z.B. Löwenzahn sowie Gemüse.  Vitamin-C haltiges Gemüse wie Paprika oder Fenchel machen hier den Hauptbestandteil aus, da Meerschweinchen kein körpereigenes Vitamin-C produzieren können.  Jede neue Futterart wird vorsichtig und in geringen Mengen angefüttert und, wenn die Meerschweinchen zeigen, dass es ihnen schmeckt, langsam erhöht. Mitunter kann der Geschmack  von Tag zu Tag variieren. Obst wird aufgrund des Fruchtzucker-Gehaltes immer nur in geringen Mengen angeboten.

Für den Winter finden viele Meerschweinchen auch getrocknete Wiesenkräuter aus dem Fachhandel lecker. Fertige Futtermischungen werden von den Tieren zwar aufgrund des Zucker-, Fett- und Stärkegehaltes gerne gefressen, sind aber bei abwechslungsreicher Ernährung nicht erforderlich. Eine Menge von ca. 1 TL/Tag und Tier sollte dann nicht überschritten werden.

Meerschweinchen und Kinder

Die Haltung von Meerschweinchen beinhaltet täglich die Reinigung des Geheges von Kot, Urin und Futterresten, da die entstehende Schimmelbildung die Tiere sehr krank machen kann.

Kinder können aufgrund ihres Alters oder des schwankenden Interesses die kontinuierliche Pflege selten alleine leisten und benötigen deshalb die Unterstützung und Kontrolle durch die Eltern. Das können gute 8 Jahre Verantwortung für Sie und Ihr Kind bedeuten.

Meerschweinchen können durch geduldig angebotene Handfütterung von Leckerlis sehr zutraulich werden. Für die  kleinen Fluchttiere ist das zwanghafte Halten oder Einfangen ein großer Stressfaktor. Stellen Sie sich vor, ein Riese betritt Ihre Wohnung und nimmt sie in seine gigantischen Hände, um sie zu streicheln.

Passender ist, dass das Tier seinen Riesen beobachten darf und selbst entscheidet, wann es genug Vertrauen hat, um aus der Hand zu fressen oder sich streicheln zulassen. Hat das Meerscheinchen das gern, quiezt und muckert es leise vor sich hin.

Mit lautem Quieken fordert das Schweinchen sein Futter ein und es erkennt an dem verschiedenen Rascheln von Einkaufstüten, was es geben könnte.

Wenn ein Meerscheinchen – meist die Böckchen – „brommselt“, wobei es sich knurrend und watschelnden Ganges durch das Gehege bewegt, signalisiert es Paarungswillen. Zähneklappern und lautes Quieken signalisieren Unsicherheit und Angst. Hört man dieses zu Beginn noch häufiger, so lassen diese Geräusche bei behutsamer und umsichtiger Haltung nach oder hören ganz auf.

Klein – aber oho!

Meerschweinchen sind anspruchsvoller als viele denken. Daher sollte vor der Anschaffung gut überlegt werden, ob man dies alles leisten kann. Eine umfassende Internet-Recherche ist ebenso sinnvoll, wie die Infos und Hinweise der Kleintier-Pfleger in den Tierheimen.  Jedes Meerschweinchen ist ein kleiner Individualist mit viel Neugier, aber auch Anspruch und Wunsch nach Gesellschaft.