Wellensittichhaltung Innen und Außen

Unser ehemaliger Auszubildender, Tim Schulten, schildert ausführlich die Haltung der gefiederten Freunde:

Wellensittiche sind Schwarmtiere. Eine Einzelhaltung ist für diese Tiere Quälerei, welche zu einer seelischen und auch teilweise körperlichen Verkümmerung führt (rupfen, schreien aggressives Verhalten). Ein Spiegel oder ein Plastikvogel oder Mensch kann den Partner  NICHT ersetzen. Je mehr Wellensittiche in einer Gruppe leben, desto  wohler fühlen  sie sich. 

Ein Wellensittich benötigt also mindestens einen Partner und Möglichkeiten zum Fliegen. Am besten ist es, wenn der Käfig oder die Voliere dauerhaft geöffnet ist, so dass der Sittich sich selbst überlegen kann, ob er drinnen oder draußen sein möchte. Die Fenster sollten dabei stets geschlossen sein! Ein Wellensittich kann schneller entwischen, als man denkt. Auch andere Gefahrenquellen sind zu beachten, wie z. B. giftige Zimmerpflanzen, heiße Herdplatten, ein geöffneter Kochtopf etc. Wellis sind nämlich sehr neugierig. Alternativ gibt es natürlich auch die Möglichkeit einer großen Innen- oder Außenvoliere oder ein eigenes Vogelzimmer einzurichten.

Der Käfig / die Innenvoliere: Je größer, desto besser!

Der Käfig sollte mindestens 50 cm tief, 60 cm hoch und 80 cm lang sein, so dass der Sittich auch mal ein paar Flügelschläge machen kann, wenn er eingesperrt ist. Der Käfig sollte niemals höher als breit sein und das „Dach“ ist als ebene Fläche ein idealer Sitzplatz.  Dazu sollten die Gitterstäbe (Abstand ca. 1,2 cm) waagerecht verlaufen, damit der Vogel gut im und am Käfig klettern kann. Die Stangen kann man aus Ästen von Obstbäumen basteln. Keine Plastikstangen oder gar mit Sandpapier umwickelte Stangen nehmen, davon bekommen die Vögel wunde Füße. Eine Schaukel oder ein Wackelbaum an der höchsten Stelle im Käfig bieten einen guten Schlafplatz .Wasser ist in einem entsprechenden Napf oder Spender täglich frisch anzubieten, genau so wie Körner, Futter und frisches Obst, Gemüse oder auch Salat. Der Einstreu kann aus Sand oder Buchenholzgranulat sein (Sand enthält Grit). Ebenso geht auch Kleintiereinstreu (gepresste Holzspäne). Am sinnvollsten ist aber Sand, da sich bereits kleine Gritsteine darin befinden, die der Sittich zur Verdauung seiner Nahrung benötigt. Eine Sepiaschale/Kalkstein  sollte  angeboten werden, das dient der Aufnahme von Mineralien bzw. dem Wetzen des Schnabels.

Die Außenvoliere

Die Außenvoliere sollte aus 2 Bereichen bestehen: dem Schutzraum und dem Flugraum. Dabei ist zu beachten, dass beide Räume möglichst hell und ohne Zugluft sind. Allzu windige Ecken im Garten eignen sich nicht, ohne entsprechende und weitere Schutzmaßnahmen vorzunehmen.

Im Schutzraum haben die Wellensittiche die Möglichkeit, sich zurückzuziehen und verbringen dort in der Regel auch die Nachtruhe. Dazu empfiehlt es sich, Futter und Wasser dort anzubieten. Zum einen, um Insekten und Kleingetier (Mäuse, Insekten etc.) davon fern zu halten, zum anderen lernen die Wellis, zum Futtern nach innen zu gehen und richten sich dann dort auch zum Schlafen ein. Der Boden und die Wände sind möglichst so zu gestalten, dass man sie leicht reinigen kann. Hier funktionieren Fliesen oder Holz sehr gut. Als Einstreu eignet sich Sand, Nagereinstreu oder Buchenholzgranulat.

Der Flugraum sollte möglichst lang (eine Flugbahn von ca. 3 m wäre toll) und überdacht sein. Der Volierendraht (Maschengrößen 1,2 cm) ist so zu befestigen, dass an eventuellen Kanten keine Verletzungen entstehen können. Die Überdachung dient vor allem dazu, Ungeziefer und Dreck (z. B. Taubenkot) von oben abzuhalten, da dadurch oftmals Krankheiten übertragen werden. In den Boden hinein sollte eine 30 cm tiefe Schürze gesetzt werden, damit sich Ratten, Mäuse, Marder und ähnliche Tiere nicht durchgraben können. Dazu ist ein Schutz aus Drahtgeflecht im Boden oder aber  eine betonierte oder gepflasterte Sohle notwendig. Als Einstreu im Außenbereich dient Kies oder Sand, bei guter Reinigung geht auch Buchenholzgranulat. Rasen/Wiese  funktioniert theoretisch auch, durch die Überdachung bekommt er aber zu wenig Regen und geht relativ schnell ein (und die Wellis kürzen den Rasen auch gerne…). Zum Betreten der Voliere empfiehlt es sich, eine Schleuse zu bauen, wenn es als Zugang zum Innenraum dient. Die Einrichtung ist wie beim Käfig: Sitzstangen aus Naturästen, (s.u. welche Äste genutzt werden können und ungiftig sind), Schaukeln, Seile, Sepiaschale/Kalkstein. Der Fantasie bei der Einrichtung ist keine Grenze gesetzt, solange sie verletzungssicher und ungiftig ist.

Das Futter

Obstbaum : Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume,

Haselnuss auch Blätter und Knospen

Korkenzieherweide (alle Weidenarten) auch Blätter und Knospen

Ahorn (Spitz-,Berg-,Feldahorn (kein Kanadischer Ahorn – sehr giftig)

Alle Äste immer gründlich abwaschen, um Ungeziefer zu entfernen

Obst/Gemüse/Salat:

Äpfel,Birne,Wassermelone,Erdbeere,Himbeere,Johannisbeere,Weintraube,Kiwi,

Granatapfel

Gurke, Petersilie, Möhren/Möhrengrün, Kresse, Rote Beete, Basilikum

Feldsalat, Ruccola, Lollo Bionda (kein Rosso, kein Kopf oder Eisbergsalat, diese enthalten Schadstoffe, Kresse).
Giftige Äste:

Eibe

Kiefer

Hemlockstanne

Forsythie

Liguster

Efeu

 Giftige Zimmerpflanzen:

Kalanchoe

Weihnachtsstern

Alpenveilchen

Usambaraveilchen

Benjamin Ficus

Azalee

Amaryllis