Welpenhandel – Ursache und Wirkung

Als Teil der neuen bundesweiten Tierschutzkampagne „Süße Ware, schneller Tod: Welpenhandel stoppen!“, initiiert vom Hamburger Tierschutzverein von 1841 e. V. (HTV), kämpfen nun mehr als 60 Tierschutzpartner gemeinsam gegen die Welpenmafia. Auch wir, das Tierheim Hilden ist dabei.

Wir hatten bereits vor einigen Wochen zu dem Thema informiert, aber es bedarf mehr, um hier möglicherweise etwas zu bewirken, daher haben wir uns für einen weiteren Beitrag entschieden.

Der illegale Handel mit Hundewelpen hat durch Corona seinen traurigen Höhepunkt erreicht. Sie sind zum Konsumgut degradiert, wie ein Stück Möbel, das man sich im Internet bestellt und geliefert bekommt. Tierheime und seröse Züchter/Züchterinnen konnten die förmlich explodierte Nachfrage nicht mehr abdecken. Und viele Interessenten haben keine Geduld zu warten. Wozu auch, tausende Hundewelpen werden im Internet durch illegale Welpenhändler angeboten. Sie stammen in der Regel aus Osteuropa, wo sie unter schrecklichsten Bedingungen geboren und die ersten Wochen verbringen mussten. Ihren Müttern viel zu früh entrissen, oftmals schwer krank, werden sie illegal und meistens mit gefälschten Impfpässen nach Deutschland geschmuggelt. Ein Teil überlebt den Transport schon nicht und stirbt elendig in überfüllten Transportkisten. Vor der Übergabe werden sie oft mit irgendwelchen Präparaten aufgepäppelt, um kurzfristig den Eindruck eines gesunden und agilen Welpen zu vermitteln. Lässt die Wirkung nach, zeigt sich der wirkliche Zustand. Zurück bleiben getäuschte, betrogene und verzweifelte Menschen, die nicht das Geld für aufwendige medizinische Behandlungen haben.

Viele dieser Hundebabys sterben oder werden eingeschläfert, bevor sie die Chance hatten, Gras unter den kleinen Pfoten zu spüren oder zu erfahren, wie es ist geliebt und umsorgt zu werden. Einige haben Glück und werden in Tierheimen abgegeben, wo alles erdenklich Mögliche getan wird, um diese kleinen Hundeseelen zu retten.

Die Nachfrage nach Hundewelpen ist nach wie vor riesig und so wird weiterhin hauptsächlich in zwielichtigen Vermehrerstationen in Rumänien, Tschechien, Polen, Serbien, Bulgarien, Slowakei, Ungarn und der Ukraine weiter vermehrt. Die Gewinnspanne ist riesig und das Risiko klein. Denn selbst wenn ein solcher Händler beim Welpenschmuggel erwischt wird, drohen ihm keine ernsten Strafen, meistens gibt es lediglich ein Bußgeld.

Doch denken wir auch an die Mütter, diese hausen in kleinen Verschlägen und Zwingern ohne Tageslicht oder in dunklen feuchten Kellern, ohne soziale Kontakte. Über Jahre hinweg werden sie als Gebärmaschinen missbraucht, müssen ihre Kinder in ihrem eigenen Unrat zur Welt bringen und großziehen, bis sie ihnen viel zu früh entrissen werden. So geht es weiter, Jahr für Jahr, bis die Produktivität nachlässt. Dann werden die Mütter, aber auch die Väter, entsorgt.

Laut Deutschem Tierschutzbund werden jährlich rund 500.000* Hunde illegal innerhalb der EU-Grenzen transportiert, die Dunkelziffer ist allerdings erheblich. Allein im ersten Corona-Jahr 2020, hat sich Schätzungen zu Folge, die Anzahl der vom illegalen Handel betroffenen Hunde, im Vergleich zum 2019, beinahe verdreifacht.

Das hier enormes Tierleid verursacht wird, liegt aber leider nicht nur an dieser organisierten Kriminalität des Welpenhandels, sondern auch an den Käufern und Käuferinnen. Durch ihr Verhalten, nicht warten zu können, sondern möglichst schnell an einen Welpen zu kommen, nehmen sie billigend in Kauf das kranke und halbtote Hundekinder ins Land transportiert werden. Das sie dazu auch noch rechtswidrig handeln, ist vielen überhaupt nicht bewusst oder schlichtweg egal.

Haben wir hier nicht nur ein Tierschutz- sondern auch ein gesellschaftliches Problem?

Wir brauchen mehr Öffentlichtsaufklärung, entsprechende Gesetzte, dazu mehr Kontrollorgane. Außerdem sollte auf Internetplattformen der Tierhandel verboten werden.

Wann handelt endlich die Politik?

Die Online-Aktionen der Kampagne laufen unter #welpenhandelstoppen. Weitere Informationen finden Sie unter: www.hamburger-tierschutzverein.de/welpenhandel.

 

Herzliche Grüße

Günter Dehnert & Ihr Tierheim-Team Hilden